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Shandong Reise 2003

 22.11.2003 - 25.11.2003


Bericht: Gisela Mahlmann

Teilnehmer:
Shushan Li aus Shanghai als Organisator und Übersetzer und Kontaktmann für Shandong,
Gisela Mahlmann, Vorsitzende von Hope Baden-Baden

Insgesamt wurden 180 Kinder neu in die Förderung aufgenommen und 102 früher geförderte Kinder weiter unterstützt: Gesamtkosten RMB 102 605.- (10 580.- Euro)

Andere Kosten: Für Herrn Li wurden von Hope die Flugkosten ab und bis Shanghai, Übernachtung und Taxi bezahlt, insgesamt RMB 1560.- ca 160 Euro. Gisela Mahlmann war dienstlich in Shanghai und hat ihre Flugkosten ab und bis Shanghai nach Shandong und ihre Übernachtungskosten selbst bezahlt

Shushan Li, geboren 1966 in einer armen Bauernfamilie in einem Dorf, das zu Heshan gehört. Er hat eine jüngere Schwester. Seine Mutter ist seit ihrem 4. Lebensjahr blind, sowohl sie als auch sein Vater sind Analphabeten. Er fiel durch seine Intelligenz dem Grundschullehrer auf, der dafür sorgte, dass er auf die Mittelschule kam, die damals noch gebührenfrei war. Seit seinem 12. Lebensjahr lebte er im Schulinternat und kam nur alle 14 Tage die 8 km zu Fuß nach Hause in sein Dorf. Alle ca. 50 Jungen im Internat schliefen in einem ungeheizten Raum dicht aneinander auf zwei umlaufenden Brettergestellen. Es gab für alle nur eine Wasserstelle im Hof. Shushan Li war immer unter den Besten und hat dann die Aufnahmeprüfung für eine der renommiertesten Hochschulen Chinas, die Tongji-Universität in Shanghai, - eine deutsche Gründung - als Provinzbester bestanden. Er studierte Wasserbau, weil er in seiner Heimat den Mangel an Wasserversorgung und ?qualität besonders erfahren hatte. Zu einem Aufbaustudium kam er für drei Jahre nach Karlsruhe. Wir haben ihn 1999, als er beim Wasserbauamt in Linqu tätig war und auch in einem deutschen Entwicklungshilfeprojekt für die Wasserversorgung in Shandong mitarbeitete, durch Freunde kennengelernt, die uns ihn als Übersetzer auf unserer Inspektionsreise empfohlen haben. Herr Li war von unserem Engagement in seiner Heimat so angerührt, ?ich sehe in diesen Kindern immer mich selbst, denn ich war selbst so ein armes Kind?, dass er seitdem selbstlos unsere Arbeit in Shandong vorbereitet und kritisch begleitet. Shushan Li ist heute Dozent an der Universität für Wissenschaft und Technik in Shanghai.

22.11. Flug Shanghai-Qingdao, dort Abholung durch den Fahrer des Jugendverbandes von Rizhao, 3 Std. Fahrt bis Rizhao, Rizhao ist eine Stadt im Kreis Donggang, sie hat je eine neue Industriezone und Hightechzone angelegt und versucht ausländische Investoren zu finden. Der Hafen Donggang ist ein wichtiger Umschlagplatz mit direkter Schienenanbindung. Man ist wie schon 2001 überrascht, dass es hier noch Armutsgebiete geben soll. Doch nach dem Prinzip der Eigenverantwortlichkeit, haben die Dörfer kaum Anteil an der Entwicklung der Stadt, die zum guten Teil aber auch noch Zukunftshoffnung ist.
Offiziell gehört Rizhao noch zu den Armutskreisen, und die Fahrt in die Dörfer geht dann nur über Lehmwege. Alle Feldarbeit wird ohne Maschinen verrichtet, die Menschen sind die ?Zugtiere? für die Karren, Pferde oder Esel sah ich nicht. Es war gerade Süßkartoffelernte und zwischen die Bäume an den Wegen waren Stricke gespannt, über die die langen Kartoffelnudeln zum Trocknen gehängt wurden. Es sah aus, wie Wolle, die zum Trocknen aufgehängt ist.

22.11. Zusammen mit Herrn Jiang, Leiter des Jugendverbandes der Stadt und Frau Shen, Leiterin Jugendverband auf Kreisebene, Besuch der Grundschule von Zaike, gehört zu Nanhu, (früher zu Yinjiahe)
Schulleiter Herr Zhang
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Bisher wurden an der Schule 11 Kinder von uns gefördert, acht davon sind noch auf der Schule, zwei haben auf die Mittelschule gewechselt, ein Kind ist weggezogen.
7 Kinder werden uns neu zur Förderung vorgeschlagen. Gründe für die Armut: 2 mal Scheidung der Eltern, 1 mal Mutter gestorben, 2 mal Vater gestorben, (an Krebs im anderen Fall ist die alleinerziehende Mutter noch behindert) 2 mal ein Geschwister ist schwerkrank, beides mal Herzkrankheiten, Familie hat Schulden wegen der Behandlungskosten. Bei Scheidung bleiben die Kinder gewöhnlich (vor allem die Jungen) in der Vaterfamilie, die Mutter zieht weg, manchmal haben die Mütter auch die Familie verlassen, weil sie bei dem Frauenmangel in einem anderen Ort vielleicht einen wohlhabenderen Mann heiraten konnten. Die Kinder werden dann von den Großeltern versorgt, die Arbeitskraft der Mutter fehlt. Der Vater allein kann oft nur das Leben aber keine Bildung finanzieren.
Die jährlichen Kosten an dieser Grundschule betragen 350 RMB ca 37 Euro, Hefte, Bücher, Schulkosten für Kreide und Lehrmittel für Strom und Wasser.
Wir fördern die 7 Kinder mit 70% der Kosten für die nächsten drei Jahre:
7 Kinder mit je 735 RMB = 70% von 1050 für drei Jahre = 5145.- RMB unterstützt, Summe öffentlich an Lehrer Zhang übergeben.

23.11.Shanqian Grundschule im Kreis Rizhao Leiter Li Zengkai
Schule hat knapp 400 Schüler, 21 Lehrer, davon 9 vollbaugebildete Lehrer vom Staat bezahlt und 12 Bauernlehrer, die werden bisher von der Gemeinde bezahlt, ab Herbst 2004 aber auch über das Finanzamt direkt vom Staat. Kosten pro Jahr: 400 RMB, davon sind 260 für Bücher.
Viele unserer früher geförderten Kinder sind inzwischen auf der Mittelschule, jetzt sind noch 12 davon in der Grundschule, 2 werden neu zur Förderung vorgeschlagen.
Die alten und die zwei neuen werden für 3 Halbjahre bis Ende Schuljahr im Sommer 2005
14 Kinder mit je 140.-Rmb pro Halbjahr = 70% von 200 unterstützt = 5880.- RMB

23.11. Heshan Mittelpunktgrundschule, Leiter An Gang Schul- und Büchergeld pro Jahr 600.- RMB obere Mittelschule 1600 RMB pro Jahr. Dazu gehören viele kleine Dorfschulen, Shanjiapo, wo wir einen Brunnen finanziert haben, habe ich kurz besucht. (Lehrer Zhang Zhaoyu)
15% der unteren und 15% der oberen Mittelschüler bekommen von chinesischer Seite ein Schulstipendium, was auch an die Leistungen geknüpft ist.
51 Kinder werden neu zur Förderung vorgeschlagen. Fast alle Kinder sind da, obwohl Sonntag ist. 46 fotografiert. Es sind extrem arme Fälle dabei mit proKopf jahreseinkommen unter 100 RMB, unter 11 Euro im Jahr. In den meisten Fällen hat schwere Krankheit eines Familienmitgliedes zur Verarmung geführt oder der Tod eines Elternteils. Bis auf zwei Jungen haben alle Jungen eine ältere Schwester, das zeigt, die ländliche Bevölkerung will weiter Söhne haben, einige drei-Kinder-Familien, immer zwei ältere Schwestern, dann ein Junge, eine Vierköpfige Familie mit einem Zwillingsjungenpaar nach zwei Töchtern. 51 Kinder je 140 RMB pro Halbjahr bis Sommer 2005 = 21420.- RMB
von den ?alten? Kindern, brauchen 14 keine Unterstützung mehr, weil sich die Familiensituation durch Obstanbau verbessert hat, für 19 Kinder ist noch Geld von uns auf ihrem persönlichen Schulkonto. Es wurde von den Lehrern das Spendengeld der Kinder je nach Bedarf verschieden schnell verwendet.
Die anderen 40 Kinder werden bis zum Ende der Grundschule bzw. der unteren Mittelschule weiter gefördert mit: 13 Grundschüler für 3 Halbjahre a 140.- ab Feb.2004 bis Sommer 2005 = 420 RMB x 13
27 Mittelschüler je 630 = 70% von 900 für 3 Halbjahre

insgesamt 22470.- RMB

24.11. Fahrt nach Yinan mit Auto von Rizhao Jugendverband, 2,5 Std. Abholung an Autobahn durch Leiter des Jugendverbandes an der Zhuangbu Mittelpunktgrundschule Zhang Guisong
Schule hat 700 Schüler, Bauerneinkommen im Jahr verbessert auf 2200.- RMB pro Kopf in Flussnähe, in den Bergdörfern unter 1000.- RMB ( ca 210 bzw 105 Euro pro Kopf und Jahr) 44 Kinder neu zur Förderung, insgesamt 12100 RMB übergeben, werden je nach Klasse für 3 oder 5 Halbjahre gefördert.

Unser ehemaliges Förderkind, der einarmige Liu Fandong, besucht jetzt die Fachschule für Tierzucht und wird mit 4380.- gefördert, ein Mädchen Yin Cuilian besucht jetzt die pädagogische Fachschule in Lin Yi und wird jährlich mit 1000.- RMB gefördert. Die Lehrerin Liu Yu Hong hat einen Waisen Li Zhi Qiang adoptiert, dessen Schulkosten von 3200.- für die gesamte Mittelschule übernehmen wir ganz. Diese Kosten sind schon im Frühjahr überwiesen worden.

24.11. Yiwen Grundschule Leiter Nie Xinming, es ist eine kleine Dorfschule mit nur 69 Kindern Klassen 1-3, , ab Kl 4 müssen die Kinder in ein anderes Dorf. Zwischen den Dörfern wird jetzt eine japanische Hopeschule gebaut,für die Kinder aus 8 Dörfern und Weilern, aber nur das Gebäude wird gestiftet, die Kinder werden nicht gefördert. Das Gebäude ist mit Maisstroh gedeckt, es gibt keinen Ofen, die Schulgebühr beträgt pro Jahr 80 RMB, ( ca 8,5 Euro) die Ausstattung der Schule ist gleich Null.
?eigentlich müsste ich Ihnen alle Kinder zur Unterstützung vorschlagen, denn fast niemand hat hier Geld für die Schule, so gering ist das Einkommen in den Bergen, wir haben fast nur Familien mit einem Pro-Kopf Jahres-Bareinkommen von unter 200 RMB?.
11 Kinder für 5 Halbj. a 40 RMB = 2200, 11 Kinder für 3 HJ = 1320, 7 K 1HJ = 280 29 Kinder in die Förderung aufgenommen bis jeweils Ende der 3. Klasse zahlen wir die vollen Schulgebühren insgesamt 3800.- RMB übergeben.

24.11. Abholung von Yinan durch Herrn Xue vom Wasserbauamt in Linqu, Übernachtung wurde von den Kollegen des Wasserbauamtes bezahlt. Linqu ist einer der Armutskreise in Shandong. Herr Xue ist ein alter Kollege von Shushan Li, der als Wasserbauingenieur früher hier gearbeitet hat. Die Wasseramtsleute kennen die Armutsgebiete besonders gut, da Armut da ist, wo es an Wasser fehlt, und die Kollegen hier Brunnen bauen etc. Herr Xue hat es sich zur Ehrenaufgabe gemacht, mit Einverständnis des Leiters des Amtes, die Situation der Schulkinder zu erfassen und regelmäßig nachzufragen. Er seit 2000 hat genaue Listen für uns geführt. Die Gründe für die Hilfsbedürftigkeit, die Förderung etc. sind exakt registriert. Die Schülerblätter sind schon mit Fotos versehen. Es ist für uns schön zu erleben, dass unsere Hilfe Ansporn für Chinesen vor Ort ist, man kann ohne verlässliche Helfer nicht helfen. Beim Abendessen, zu dem der Vizekreisleiter von Linqu Herr Chen Xi geladen hat, sitzen auch die Fahrer mit am Tisch, es ist eine kollegiale mitmenschliche Atmosphäre.

25.11. Wujing Mittelpunktschule, Kreis Linqu ( Songshan, Ruijiazhuang und viele andere Dörfer gehören dazu, es war keine Zeit, die kleinen Schulen zu besuchen, alle Kinder aus den verschiedenen Schulen wurden hier registriert) Schulgebühr im Kreis für Grundschüler einheitlich: 190 RMB und 110 Büchergeld/Jahr

Gefördert werden neu 14 Grundschüler 7800.-
und 8 Mittelschüler 5440.-
Und weiter gefördert 21 ?alte? Grundschüler: 2350.-


Der christliche Lehrer des Dorfes Ruijiazhunag Herr Zhao Chuan En meldet noch ein Kind, insgesamt habe sich bei ihm die Situation der Bauern durch verstärkten Gemüseanbau, der öffentlich gefördert wird, und durch Viehzucht verbessert, die meisten Familien bekämen auch nur noch ein Kind. In diesem Kreis gibt es viele Christen, man sieht auch viele Kirchen, im 19. und 20. Jahrhundert waren hier französische Missionare.

25.11. Grundschule Shitou Herr Liu, Leiter des Büros für das Bildungswesen, 12 Kinder werden (6600 RMB und für die alten Kinder 900) insgesamt: 7500.- RMB

25.11. Grundschule Yeyuan in den Bergen:
neue Kinder 7700
alte Kinder 1000
insgesamt 8700.- RMB

25.11. abends Rückflug nach Shanghai


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