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Unsere 2012 geförderten Schüler in Shandong

Einige unserer Schüler 2012

 

Ab Schuljahr 2011/12 haben wir 71 Oberstufenschüler an fünf Schulen in Shandong neu in die Förderung aufgenommen.

Ilse Streller und Gisela Mahlmann übergeben die Förderungsumme für zwölf Schüler an der Oberschule Nr 3 in Wulian.Ilse Streller und Shushan Li überreichen das Geld für die Unterstützung der zwölf Schüler an der Oberschule Nr.1 in Rizhao.Mit allen haben wir gesprochen. Sie alle kommen aus armen abgelegenen Dörfern. Eine fehlende Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung ist in den meisten Fällen der Grund für die Hilfsbedürftigkeit. Für die ländliche Bevölkerung gibt es noch kein umfassendes Krankenversicherungssystem. Wenn eine Operation ansteht, muss in den Kliniken vorab bezahlt werden. Dann nehmen die Familien Schulden auf, die sie kaum je zurückzahlen können, denn sie leben am Existenzminimum. Dann bleibt kein Geld für den Besuch der Oberstufe oder gar der Universität, denn Schul- oder Studiengebühren von mindestens 200.-€ bis 500.-€ im Jahr kann keine Familie aufbringen. Ein anderer Grund ist die Arbeitslosigkeit. Viele der Bauern gehen als Wanderarbeiter in die Städte, verdienen dann auch Geld, aber haben sie einen Arbeitsunfall, werden sie gewöhnlich ohne Lohn, Krankenkosten oder Entschädigung heim geschickt.

Geldübergabe für 35 Schüler an den Oberschulen in Linqu.Nach ihren Berufswünschen gefragt gaben viele der 71 Schülerinnen und Schüler an, Arzt oder Lehrer werden zu wollen, die leidvolle Erfahrung in der eigenen Familie, dass medizinische Hilfe nicht ausreichend war, spielt da eine große Rolle. Dass an den Oberschulen eine offene Atmosphäre herrscht, zeigt sich in den Berufswünschen wie Energiewirtschaft und Schriftstellerei.

 

 

 

 

Kurzporträts einiger der neuen Schüler

 

Song Weibao

Song Weibaos Vater ist letztes Jahr gestorben, gerade als Weibao die Aufnahmeprüfung für die Oberstufe in Rizhao bestanden hatte. Seine Mutter hat keinen Job, hilft mit Gelegenheitsarbeiten die Minifamilie über Wasser zu halten. Nach dem Tod des Vaters hieß es ganz klar, der Sohn muss trotz seines schulischen Erfolges jetzt irgendeine Arbeit annehmen. Dank der Unterstützung von Hope-Baden-Baden kann er nun doch weiter die Schule besuchen. Er möchte später Medizn studieren und Arzt werden, denn er hat sehr darunter gelitten, das die Familie für den Vater nicht die beste medizinische Betreuung bezahlen konnte.

 

Guo Yang

Guo Yangs Traum ist es Schriftsteller zu werden. Er besuchte jetzt die 10 Klasse der Oberschule in Rizhao. „Mein Vater war Wanderarbeiter , er wurde auf einer Baustelle bei einem Unfall 2003 so verletzt, dass er nicht mehr arbeiten kann. Er bekam keine Entschädigung oder Rente. Unsere gesamte Familie leidet unter Krankheiten, eine jüngere Cousine ist an einer Blutkrankheit gestorben, ein Cousin hat Krebs. Wegen der hohen Behandlungskosten sind alle in unserer Großfamilie hoch verschuldet. Bis ich Hilfe vom Ausland bekam, war nicht daran zu denken, dass ich die Oberstufe besuche.“

 

Chen ZhiyuanChen Zhiyuan, 17 Jahre alt, in der 11 Klasse in Linqu, stammt aus einem abgelegenen Bergdorf, daheim sind sie zu viert, Eltern und Großvater und er. Nach schweren Krankheiten und Operationen können Eltern und Großvater nicht mehr die Feldarbeit machen und sind auf Hilfe von anderen angewiesen. Obendrein haben sie alle Ersparnisse für die Krankenhauskosten verbraucht hat und noch Schulden aufnehmen müssen. Zhiyuan, hat sich auf die Begegnung mit uns vorbereitet, „ Ich mag Deutschland, vor allem den deutschen Fußball und auch Politiker wie Bismarck. Wir müssten in China einen Bismarck haben.“ Über die Einführung von Renten- und Sozialversicherung in Deutschland ist er erstaunlich gut informiert. Das zeigt auch, wie gut die Ausbildung an dieser Oberschule ist, wo eine Schülerbibliothek auch ein paar Bücher über andere Länder bietet und im Computerraum auch selbständig zu bestimmten Zeiten recherchiert werden kann.

Gruppenbild. Mädchen mit Brille rechts neben Schulleiter Yan in Wulian.

Wang Yulei. In ihrer Familie leben vier Personen, der Vater ist nach einem Arbeitsunfall arbeitsunfähig und bekommt keine Rente. Sie möchte Reporterin werden, „ um auch über die Menschen, die vom Wirtschaftsboom vergessen, sind zu berichten.“ Sie verfolgt sehr interessiert die soziale Entwicklung Chinas .

 

 

 

Zhang ShunAuch bei Zhang Shun haben die gesundheitlichen Probleme der Familie zur Verarmung geführt. Sein Vater musste mehrfach operiert werden, seiner Mutter mussten die Finger der rechten Hand amputiert werden und auch die Großmutter ist chronisch krank. Er ist glücklich jetzt im Internat in einem 8-Bettzimmer leben zu dürfen und weiter lernen zu können. Sein Traum: Hochschullehrer.

 

 

Wang ChunmeiWang Chunmei ist Schülerin der 10 Klasse in Rizhao. Sie fing ganz beherzt an zu berichten- in gut verständlichem Englisch – aber dann kamen auf einmal Tränen und sie wechselte ins Chinesische: „Meine Eltern sind beide schon ziemlich alt, beide mussten mehrfach operiert werden, meine Mutter dreimal. Das Geld für die Operationen mussten wir uns leihen, jetzt sind wir hoch verschuldet. Wenn ich am Wochenende heimkomme, kümmere ich mich um meine Mutter und mache den Haushalt, denn sie ist bettlägrig. Ich möchte mich gerne mehr kümmern. Mein Traum ist es Wissenschaftlerin zu werden im Bereich Medizin.“

 

Guo XiaojiangDie Mutter von Guo Xiaojiang hat chronisch Gelenkentzündungen, kann noch nicht einmal den Haushalt versorgen. Der Vater kann deshalb nicht als Wanderarbeiter fortgehen und Geld verdienen, weil er sich um seine Frau kümmern muss. Sie hat noch einen kleinen Bruder in der Grundschule. Ihr Traum ist es, Lehrerin zu werden.

 

 

 

 

Zhang LanqingDie Schulden von Zhang Lanqings Familie betragen über 100 000.-Yuan für Krankenhauskosten. Das ist das Zwanzigfache des Jahresverdienstes der Familie. Der Vater hatte einen Verkehrsunfall, selbstverschuldet, und war schwer verletzt. Alle Behandlungskosten musste die Familie immer im Voraus bezahlen. Obendrein musste eine Entschädigung an den Unfallgegner geleistet werden. Die Mutter ist seit dem Unfall depressiv und arbeitsunfähig. Zhang Lanqing möchte Physiker werden im Weltraumprogramm Chinas. Er wird versuchen bei der Volksbefreiungsarmee angenommen zu werden, denn auf den Militärhochschulen gibt es keine Studiengebühren.

 

Zhang LinZhang Lin fördern wir nun schon im dritten Oberstufenjahr. Sie stammt aus einer armen Bauernfamilie. Im Juni wird sie an der landesweiten Hochschulaufnahmeprüfung teilnehmen. Dann werden um die Oberschulen verkehrsfreie Zonen eingerichtet, werden die Eltern in die Schulstädte reisen, um ihre Kinder in den Pausen mit bestem, selbst zubereitetem Essen zu versorgen. Von der erreichten Punktzahl hängt dann ab, ob man einen Hochschulplatz an einer Fachhochschule in der eigenen Provinz bekommt oder an einer Universität. Die Topuniversitäten in Peking und Shanghai, Tianjin und Nanjing können sich ihre Studenten unter den besten dann aussuchen. Und nicht immer kann das gewünschte Studienfach dann belegt werden, sondern statt Anglistik und Politik landet man vielleicht bei Germanistik und Sozialwissenschaft. Zhang Lins Traum ist es Fernsehmoderatorin zu werden.

Ma Fangjie

Ma Fangjie ist auch im letzten Schuljahr. Sie begrüßte mich gleich als alte Bekannte: „Ich treffe Sie heute zum fünften Mal. Ihre jahrelange Unterstützung habe ich Ihnen mit sehr guten Noten gedankt. Ich hoffe, ich werde bei der Hochschulaufnahmeprüfung in zwei Monaten gut abschneiden. Ich durfte lernen und möchte deshalb später Lehrerin werden für Mathematik.“

 

 

Yang ShiminAuch Yang Shimin, 12. Klasse, kenne ich schon seit drei Jahren. Sie stammt aus einem kleinen Bergdorf. An höhere Bildung war bei dem Einkommen der Eltern, das unter dem Existenzminimum liegt, ohne Hilfe von uns nie zu denken. Wie ihre Mitschüler verfolgt sie sehr aufmerksam und kritisch die wirtschaftliche Entwicklung Chinas und richtet ihr Augenmerk auf die damit einhergehenden Probleme. Ganz klar, „ich will Energiewirtschaft studieren, in dem Bereich muss bei uns noch viel getan werden.“

 

Ma FangjingMa Fangjing ist in der 10 Klasse. Zuhause lebt er in einer klassischen Großfamilie mit Großeltern Vater, Mutter und jüngerer Schwester. Aber auch hier sind hohe Behandlungskosten der Grund für die Not. Der Vater ist seit Jahren krank und arbeitsunfähig, die Mutter muss die gebrechlichen Großeltern versorgen und bestellt die Felder der Familie. Eine Ausbildung hatte sie nie, mit Babysitting für andere Familien verdient sie ein bisschen Geld. Ma Fangjing möchte später Luft- und Raumfahrt studieren, wahrscheinlich auf einer Militärhochschule, weil dort keine Studiengebühren verlangt werden, aber die Aufnahmeprüfung dafür ist auch extrem schwer. Er ist fasziniert von Chinas Weltraumprogramm.


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